Barrierefreie Farbgestaltung bedeutet, dass Inhalte auch dann erfassbar bleiben, wenn Farben unterschiedlich wahrgenommen werden – durch eine Sehschwäche, schlechte Lichtverhältnisse oder weil jemand sein Handy draussen bei Sonnenschein benutzt.
Oder, um es wie Don Norman zu sagen:
«Good design is actually a lot harder to notice than poor design, in part because good designs fit our needs so well that the design is invisible.»
Donald Arthur Norman, Professor für Kognitionswissenschaften und Informatik
Wie Kontrast über Lesbarkeit entscheidet
Viele Designentscheidungen werden vermeintlich nach Bauchgefühl getroffen. Wir empfinden ein Blau als freundlich, ein Grau als elegant, ein Rot als mutig. Aber Farben tragen Bedeutungen – sogenannte Konnotationen. Sie erzeugen Eindrücke, noch bevor wir ein Wort gelesen haben: Rot steht für Fehler, Gefahr oder Leidenschaft, Blau für Vertrauen und Ruhe, Grün für Sicherheit oder Zustimmung. Doch entscheidend ist nicht das Gefühl, sondern die Physik – genauer gesagt: der Luminanzkontrast.
Wenn Text und Hintergrund zu wenig Helligkeitsunterschied haben, verschwimmen Formen und Buchstaben. Informationen werden unlesbar – und damit verliert das Design seine Funktion.
Warum ausgerechnet 4.5:1?
Die Zahl 4.5:1 basiert auf empirischen Lesbarkeitsstudien und wurde von der W3C Accessibility Initiative definiert, um sicherzustellen, dass Texte auch bei eingeschränktem Sehvermögen noch gut lesbar sind.
Der Kontrastwert «Zahl:Zahl» beschreibt das Verhältnis der Helligkeit zweier Farben – also wie stark sie sich voneinander abheben. Er reicht von «1:1» (kein Kontrast, z. B. weisser Text (1) auf Weiss (1)) bis «21:1» (maximaler Kontrast, z. B. schwarzer Text (21) auf Weiss (1)).
Warum also 4.5:1?
Das ist der Kontrastwert, bei welchem Forschende festgestellt haben, dass die Lesbarkeit auch für Personen mit mittleren Sehschwächen noch gegeben ist.
4.5:1 gilt für normalen Fliesstext. 3:1 für grössere Schriften, zB. Headlines (ab ca. 24 px oder 19 px fett) und für UI-Elemente wie Buttons oder Icons.