Lesbarkeit
Barrierefreie Typografie stellt sicher, dass Texte auch bei eingeschränktem Sehvermögen, auf mobilen Geräten oder unter schlechten Lichtverhältnissen lesbar bleiben. Dazu gehören nicht nur Kontrast und Skalierbarkeit, sondern auch gestalterische Entscheidungen rund um die Schrift selbst.
Lesbare Schriften haben klare, gut unterscheidbare Buchstabenformen (z. B. sichtbarer Unterschied zwischen dem Grossbuchstaben i «I», Kleinbuchstaben L «l» und der Zahl «1»), ausreichende Strichstärke, eine harmonische Zeichenbreite und funktionieren in verschiedenen Grössen gleich gut. Serifenlose Schriften (Grotesk) haben sich im Web etabliert, weil sie auf Bildschirmen oft ruhiger und stabiler wirken. Entscheidend ist jedoch nicht die Stilrichtung, sondern wie gut eine Schrift in echten Nutzungssituationen funktioniert.
Auch die Mikrotypografie spielt eine Rolle: genug Zeilenhöhe (1.4–1.6), eine angemessene Zeilenlänge (45–90 Zeichen) und der linksbündige Flattersatz erleichtern das Lesen und reduzieren kognitive Belastung.
Die WCAG 2.2 fordert, dass Text vergrösserbar, kontrastreich und verständlich strukturiert sein muss – ohne Funktionsverlust. Das ist die Basis. Gutes Typografie-Design geht jedoch weiter: Es sorgt dafür, dass Schrift nicht nur lesbar ist, sondern angenehm lesbar ist.
Wie wir lesen – und warum es anstrengend werden kann
Lesen ist eine hochkomplexe Leistung. Das Gehirn erkennt nicht Buchstaben, sondern Formen und Muster. Je gleichmässiger und rhythmischer ein Textbild ist, desto flüssiger liest er sich. Zu enge Zeilen oder zu kleiner Text stören diesen Rhythmus.
Empfohlen wird:
- Mindestens 16 px für Fliesstext (besser 18 px auf grossen Screens)
- Zeilenhöhe zwischen 1.4 und 1.6
- Zeilenlänge zwischen 45–90 Zeichen
- linksbündig statt Blocksatz (der erzeugt unregelmässige Lücken)
Typografie im Web folgt anderen Regeln als im Print. Bildschirme leuchten, Elemente bewegen sich, es gibt unterschiedlich aufgelöste Displays welche unter sehr unterschiedlichen Lichtbedingungen genutzt werden. Was im gedruckten Buch funktioniert, wirkt digital oft zu eng, zu fein oder zu schwer lesbar.
Darum gelten im Web andere gestalterische Prioritäten: mehr Zeilenabstand, grössere Schriftgrössen und ausreichende Strichstärken, damit Buchstaben auch bei 200 % Zoom oder auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm gut erkennbar bleiben. Dünne Schriftschnitte («Hairline», «Thin») mögen im Print wirken, verlieren digital jedoch schnell an Lesbarkeit. Auch ein Blocksatz oder sehr schmale Spalten, die im Print elegant wirken können, führen online oft zu zerfallenen Wortabständen und erschwerter Lesbarkeit.