European Accessibility Act: Was Schweizer Unternehmen wissen müssen
#Barrierefreiheit verstehen
Ein barrierefreies CMS muss zugänglich bedienbar sein und bei barrierefreien Inhalten helfen. Erfahre, worauf es bei Backend, Headless CMS und der Auswahl ankommt.
Philipp Bremer, 22. September 2026

Bei einer barrierefreien Website denken viele zuerst an die Menschen, die sie besuchen. Sie sollen Texte lesen, Formulare ausfüllen und alle Funktionen bedienen können. Doch vor der Veröffentlichung arbeiten andere Menschen mit dem Inhalt: Redakteur:innen laden Bilder hoch, schreiben Texte und aktualisieren Seiten.
Auch sie können auf eine Tastatur, einen Screenreader, starke Vergrösserung oder eine besonders übersichtliche Bedienung angewiesen sein. Ein CMS ist deshalb erst dann eine gute Grundlage, wenn es beide Seiten berücksichtigt:
Ein barrierefreies CMS macht eine Website nicht automatisch barrierefrei. Das CMS kann gute Voraussetzungen und Leitplanken schaffen. Wie zugänglich die veröffentlichte Website ist, hängt zusätzlich von Gestaltung, technischer Umsetzung und den gepflegten Inhalten ab.
Das Backend ist der geschützte Arbeitsbereich einer Website. Dort entstehen Beiträge, Seiten, Veranstaltungen oder Produkte. Ein zugängliches Backend ermöglicht es beispielsweise, dass Redakteur:innen:
Das betrifft nicht nur den Texteditor. Auch Medienbibliothek, Navigation, Dialogfenster, Vorschau und Veröffentlichung gehören zum Arbeitsablauf. Schon eine unbedienbare Bildauswahl kann verhindern, dass jemand einen Beitrag selbstständig fertigstellt.
Nicht jede Barriere entsteht beim Programmieren. Auch ein neuer Inhalt kann eine zugängliche Website verschlechtern – etwa durch unverständliche Linktexte, eine falsche Überschriftenfolge oder ein Bild ohne Beschreibung.
Ein sinnvoll eingerichtetes CMS versucht deshalb, Fehler gar nicht erst entstehen zu lassen:
Bei Bildern sollte beispielsweise eine bewusste Entscheidung erforderlich sein: Braucht das Bild eine aussagekräftige Beschreibung oder ist es rein dekorativ? Ein blosses Pflichtfeld genügt nicht, wenn dort anschliessend bedeutungslose Texte eingetragen werden.
Bei einem klassischen CMS gehören Redaktionssystem und sichtbare Website eng zusammen. Ein Headless CMS trennt die Inhalte von ihrer Darstellung. Vereinfacht gesagt: Das CMS verwaltet die Inhalte, während die Website unabhängig davon entwickelt wird.
Das schafft mehr Freiheit. Das Entwicklungsteam kann die öffentliche Website ohne die Vorgaben eines fertigen Themes oder Page Builders umsetzen. Gleichzeitig trägt es mehr Verantwortung: Struktur, Bedienung und Ausgabe entstehen nicht automatisch. Headless ist deshalb kein Gütesiegel für Barrierefreiheit.
Der Vorteil liegt an einer anderen Stelle: Redaktionsoberfläche, Inhaltsmodell und Website können gezielt auf das Projekt abgestimmt werden. Redakteur:innen müssen dann nicht aus unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten wählen, sondern arbeiten mit verständlichen und geprüften Bausteinen.
Für die Entwicklung individuell konzipierter barrierefreier Websites haben wir uns bei Digital Barrierefrei für Payload CMS als Headless CMS entschieden. Ausschlaggebend ist seine Flexibilität: Wir können nicht nur die sichtbare Website entwickeln, sondern auch den Redaktionsbereich passend zu den Menschen und Aufgaben im Projekt gestalten.
In der Praxis kann das bedeuten:
Payloads Redaktionsoberfläche lässt sich mit eigenen Komponenten erweitern. Diese Freiheit ist wertvoll, aber sie ist kein automatischer Nachweis für Barrierefreiheit: Jede Anpassung muss sorgfältig entwickelt und mit Tastatur sowie assistiven Technologien geprüft werden.
Auch Payload selbst beschreibt die vollständige Konformität seines Adminbereichs mit WCAG 2.2 AA derzeit noch als laufende Arbeit. Das ist eine wichtige Einschränkung – und zugleich ein Zeichen dafür, dass Accessibility öffentlich dokumentiert und systematisch getestet wird.
Du möchtest eine Website, die auch hinter den Kulissen mitgedacht ist?
Wir entwickeln nicht nur ein zugängliches Frontend. Wir gestalten auch Inhaltsmodell und Redaktionsabläufe so, dass dein Team Inhalte verständlich und verlässlich pflegen kann.
Ein pauschales Ranking wäre unseriös. CMS entwickeln sich laufend weiter, und Erweiterungen oder individuelle Anpassungen können die Bedienung verbessern oder verschlechtern. Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf, wie offen die Hersteller mit dem Thema umgehen.
WordPress verfügt über eine grosse Accessibility-Community und verfolgt eigene Ziele für die Zugänglichkeit des Backends. Wie gut der konkrete Arbeitsablauf funktioniert, hängt jedoch stark von Editor, Plugins und individuellen Anpassungen ab. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel WordPress und Barrierefreiheit.
Payload dokumentiert seine Arbeit in Richtung WCAG 2.2 AA und nennt automatisierte sowie manuelle Tests. Die vollständige Konformität des Adminbereichs ist noch nicht erreicht. Seine besondere Stärke ist die Möglichkeit, Datenmodell und Redaktionsoberfläche gezielt anzupassen.
Craft CMS fällt durch seine Transparenz positiv auf. Das Team veröffentlicht sowohl einen Bericht zur Zugänglichkeit des Redaktionsbereichs als auch eine Auswertung nach den Richtlinien für Autorenwerkzeuge. Darin werden erreichte Kriterien ebenso genannt wie bestehende Probleme und Umgehungsmöglichkeiten. Vollständig barrierefrei ist Craft damit nicht automatisch – die offene Dokumentation ermöglicht aber eine fundiertere Beurteilung.
Directus dokumentiert konkrete Hilfen wie Tastaturnavigation, Sprungmenüs und Tastaturkürzel für seine Redaktionsoberfläche. Einen mit Craft vergleichbaren umfassenden Konformitätsbericht haben wir nicht gefunden. Deshalb gilt auch hier: Die entscheidenden redaktionellen Abläufe müssen im konkreten Projekt getestet werden.
Achte weniger auf das Versprechen «barrierefrei» als auf überprüfbare Informationen.
Die beste Wahl hängt nicht nur von einer Produktliste ab. Prüfe das CMS mit den Menschen, die später täglich damit arbeiten.
Ein CMS verwaltet nicht einfach nur Daten. Es bestimmt mit, wer Inhalte erstellen kann und welche Fehler bei der täglichen Pflege entstehen. Ein zugängliches Backend schafft Selbstständigkeit für Redakteur:innen mit Behinderungen. Gute Leitplanken helfen gleichzeitig dem gesamten Team, barrierefreie Inhalte dauerhaft zu pflegen.
Ob WordPress, Payload, Craft oder Directus: Kein Produktname ersetzt die Prüfung der tatsächlichen Arbeitsabläufe. Entscheidend ist, das System passend zu den Menschen, Inhalten und Aufgaben des Projekts auszuwählen und einzurichten.
Welches CMS ist für dein Projekt sinnvoll?
Wir betrachten nicht nur die sichtbare Website, sondern auch die Menschen, die sie später pflegen. Gemeinsam finden wir eine Lösung, die zu deinem Team und deinen Inhalten passt.
Philipp Bremer ist ein Barrierefreiheits-Enthusiast in Zürich. Mit seiner Leidenschaft für inklusive Webentwicklung hilft er Unternehmen, NGOs und Einzelpersonen dabei, Websites zu schaffen, die wirklich für alle Menschen zugänglich sind.
Wir glauben, dass da für jede:n was dabei ist:

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